Die Gitarrendecke

Das Holz für die Gitarrendecke wird aus zwei symetrischen Brettern, die in der Mitte aneinandergeleimt werden hergestellt. Wenn man das Decken-Tonholz kauft, kann man rohe, sägerauhe Bretter bekommen. Diese müssen dann am Stoß aneinander gelegt und z.B. mit einem Dreieck gekennzeichnet werden. Die Kennzeichnung braucht man, da es durchaus sein kann, dass die Maserung abweicht und man so unschöne Stellen aussparen kann und dann beim Leimen eine Orientierung hat ob die gepaarten Brettchen nun zueinander passen. Nun muss die Fuge peinlichst genau mit dem Hobel bearbeitet werden. Hält man die beiden Stöße aneinander, zeigt sich eine gute Fuge dadurch, dass ein leichter Unterdruck an den Hobelflächen eine kleine Gegenkraft erzeugt, möchte man die Hälften wieder voneinander trennen. Hält man die Brettchen aneinandergesetzt dann gegen das Licht, darf an keiner Stelle Licht durchscheinen.

Verleimt werden die Brettchen dann mit leichtem seitlichen Gegendruck (eine Anschlagleiste links und rechts und mit 3x2 Keilchen auf einer Seite dann Druck ausüben) und eine ganz kleine Beschwerung (ca. 2x 300g) obendrauf. Den überschüssigen Leim sofort entfernen und das ganze über Nacht liegen lassen. Jetzt muss die Decke auf Stärke gehobelt werden. Das kann man auf herkömmliche Weise mit Hobel, Ziehklinge und Schleifpapier tun, man kann aber auch zu einem Schreinereibetrieb gehen und diese Arbeit von einer Zylinderschleifmaschine machen lassen. Dabei ist darauf zu achten, dass das verwendete Schleifband sauber und ohne Aufbackungen ist, da Erhöhungen auf dem Schleifband Druckspuren auf dem weichen Holz hinterlassen, welche leider oft erst nach dem Lackieren wieder ans Licht treten.

Je nach Steifigkeit des Deckenholzes beträgt die Deckenstärke gleichmäßig zwischen 2,5 und 3mm.

Die Herstellung der Schallochverzierung ist noch vor dem Ausschneiden des Schallochs zu machen. Meist sind diese Verzierungen aus Holzspänen oder Muschelkalk. Beiden ist gemeinsam, dass sie in einen Kanal eingeleimt werden. Zur Herstellung der Rosette legt man die Deckenschablone auf das Holz, zeichnet eine Mittelline und dann das Zentrum des Schallochs an und bohrt dort ein Loch zur Führung eines Kreisschneiders. Um nun den Kanal zum Einlegen des Spans herzustellen, verwende ich einen speziellen Kreisschneider, der an den Dremel Multi anschraubbar ist. Über einen Zylinderstift als Kreiszentrum wird die Platform des Dremels im Radius des Rosettenspans gedreht. Dieser Radius ist über ein Langloch wiederum verstellbar.

Kreisschneider Dremel

Ich verwende als Schallochverzierung ein Muster aus drei Einlagen mit verschiedenen Radien, wobei die mittlere Einlage eine eingefasste Abalone-Muschel Einlage ist. Aufgebaut werden die Einzelmuster aus einem schwarz-weiss-schwarz (bwb für black white black) Echtholzfurnier (Ebenholz, Ahorn, Ebenholz) mit einer Breite von 3x 0,5mm=1,5mm. Damit es nach mehr aussieht, nehme ich das bwb-Muster doppelt und brauche somit einen Fräskanal von etwa 3,15mm breite. Die 1,5 oder etwas mehr Zehntel braucht man als Spielraum zum einsetzen, Leim muss ja auch noch dazwischen. Auch darf man nicht vergessen, dass der Weißleim Wasser enthält und dies das Holz zum quillen bringt. Dies ist auch eine Aufforderung nur immer kleine Stücke mit Leim zu benetzen und nicht den Kanal gleich mit Leim zu fluten!

Schallochrosette fertig

Das mittlere Muster macht man mit einem Trick. Die Umrandungen bestehen aus bwb Streifen neben dem etwa 1,5mm breiten Abalone. Die Herstellung des Kanals ist wie vorher beschrieben, nur das Einleimen macht man nicht auf einmal. Statt der Abalone Stücke wird ein Streifen Kunststoff als Dummy mit eingelegt. Trocknet der Leim über Nacht, entnimmt man vorsichtig den Streifen Kunststoff und legt mit etwas Leim in diesen nun passgenauen Kanal die Muschelstreifen ein - genial und einfach. Damit die Streifen sich nicht aus dem Kanal heben, lege ich etwas schweres darauf, damit dies nicht anklebt, kommt eine Schicht Kunstsoff dazwischen.

Wenn sicher ist, dass der gesamte Leim ausgehärtet ist, gleicht man mit Feile, Hobel, Ziehklinge und Schmirgelpapier die Schallochverzierung der Decke an. Hier ist darauf zu achten, dass der schwarze Staub nicht unnötig auf dem Holz verteilt wird, da die weiche Fichtendecke die dunklen Pigmente gerne annimmt und dies einen dunklen Schatten um das Schalloch erzeugen würde. Jetzt muss der Kreisschneider auf 98mm Durchmesser eingestellt werden und durch stufenweises Tieferstellen wird das Schalloch herausgeschnitten. Sicherzustellen ist hier, dass die Decke vor dem Heraustrennen des Schallochs fixiert ist, da ohne der Führung des Zylinderstifts die Gefahr groß ist, dass der Fräser die Kreisbahn verlässt und dann die Decke verletzt.

Schalloch ausgesägt

Auf der Deckeninnenseite zeichne ich nun die Lage der Balken an. Hierzu lege ich mir den auf Preßspan gezogenen und dann ausgeschnittenen Plan der Deckeninnenseite auf das Deckenholz. Mit dem Bleistift mache ich an der Außenlinie kleine Striche die ich dann zu einem Lageplan verbinde. Die Maße der Balken selber habe ich aus dem Plan entnommen und aus steiffem, stehendem Fichtenholz heraus geschnitten. Mit dem Hobel werden diese dann maßgenau abgerichtet. Die zur Deckeninnenseite gerichtete Fläche muss halbkreisartig abgearbeitet werden. Sowohl der Boden, als auch die Decke können mehr Belastung aushalten, wenn diese eine nicht ganz ebene Fläche, sondern einen domartigen Aufbau haben. Die Wölbung hierbei beträgt bei der Decke 25' (feet) =7620mm und beim Boden 15' (feet) =4572mm. Das sind bei der Decke etwa 6mm Durchbiegung auf 60cm Abstand. Im folgenden Bild sieht man meinen "Verleim-Himmel" mit einem Deckeneinsatz. Ich habe hierzu eine MDF-Platte mit dem 25' Radius per CNC-Maschine herstellen lassen. Zum halbkreisartigen Vorbereiten der Beleistung klebe ich mit doppelseitigem Klebeband einen Streifen Schmirgelpapier in die Wölbung und mit ein paar Hüben des Holzes auf dem Schmirgelpapier sind die Leisten fertig.

Beleistung der Decke

Der "Himmel" ist eine bewährte Vorrichtung. Mit dünnen Hartholzstreifen wird genügen Druck aufgebracht, aber nicht so viel, dass das Holz zerdrückt wird. Ich habe das Ding so groß gebaut, dass ich es unter der Werkbank unterbringen kann. Sind die Deckenbalken fertig vorbereitet, werden zuerst die kleinen Fingerbalken, dann die unteren Fächerbalken und dann der obere Balken aufgesetzt. Der X-Balken kreuzt sich kurz unterhalb des Schallochs. Die Kreuzung muss als passgenaue Steckverbindung, die dann verleimt werden muss, ausgeführt werden. Mit einer feinen Säge wird an der sich ergebenen Kante bis zur Hälfte der Balkenstärke eingeschnitten, das gleiche auf dem Gegenbalken. Mit der Feile wird die Passung soweit nachgearbeitet, bis das zusammenstecken der X-Balken auf leichtem Druck möglich ist. Nach dem Fertigstellen der Deckenverleimung wird diese X-Kreuzung mit leimgetränkten Baumwollstreifen kreuzweise (ca. 1,3cm breit) verstärkt. Da die X-Balken einen Überstand von etwa 2-3mm haben, müssen die kleinen Balken auf diesen Überstand abgelängt werden, mit dem Stemmeisen vorsichtig mit einem 45° Winkel versehen werden. Jetzt legt man die X-Balken auf und zeichnet dort die Kreuzstellen der kleinen Balken an und stemmt diese passgenau heraus. Durch dieses Überlappen erstellt man eine tonale Brücke und gleichzeitig wird die Saitenspannung gleichmäßiger verteilt. Sind die X-Balken fertig, können auch diese angeleimt werden. Die Innenseite der Decke muss sauber gearbeitet sein. Jede Verunreinigung und jeder abstehende Span kann den Ton verderben. Gerade beim Verleimen ist gleich nach der Fixierung durch die Hartholzstreifen der überschüssige Leim zu entfernen. Hier ein kleiner Tipp meinerseits: wenn ihr das nächste mal bei McDonalds seid, nehmt doch ein paar Strohalme mit! Ich schneide diese an einem Ende schräg ab und mit dieser Spitze fahre ich an der Leimfuge entlang. Wie eine Schaufel nimmt der Halm den Leim auf. Mit einem Tuch leere ich diesen ab und an - einfach und effektvoll! Den Rest schafft dann ein feuchtes Tuch.

Schnitzen der kleinen Balken

Wie im obigen Bild zu erkennen, wird das Profil der Balken erst nach dem Anleimen erstellt. Mit kleinen IBEX Hobeln und Stemmeisen werden die Breiten und Höhen angepasst. Nimmt man die Decke nach dem Verleimen und dem groben Anpassen der Deckenprofile und klopft den Klang ab, kann man mit etwas Gefühl hier und da die Verbalkung mit dem Hobel nacharbeiten und damit noch leichter gestalten. Diese Arbeit nennt man "scallopping". Nach dem Profilieren muss die Deckeninnenseite noch mit 150'er Schmirgelpapier fein geschliffen werden.

Klassische Ansicht