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Binding Jig

Werkzeuge: Binding-Fräse

Hier zeige ich eine selbstgebaute Vorrichtung zum sauberen und genauen Fräsen der Randeinlagen an Gitarren.

Wer kennt das nicht: man setzt die Oberfräse auf die Gitarrendecke und stellt akribisch genau die Tiefe und Breite des Fräsers an Testhölzern passend zum gewünschten Binding ein und dann fräst man - und die Randeinlagen passen hinten und vorne nicht!   Meist kommt das davon, dass die Auflagefläche der Oberfräse nicht im rechten Winkel zum gewünschten Fräskanal steht. An den Stellen, an denen der Winkel Fräser/Auflage am steilsten war, hat man den tiefsten Kanal und da reicht dann die Stärke des Bindingmaterials nicht mehr aus, was dann meist auf  Kosten der Zargenwandstärke geht. Sieht man sich die Decke oder den Boden einer Westerngitarre an, erkennt man leicht die Wölbung, bei Jazzgitarren ist das noch auffälliger. Man kann zwar immer das Binding so dick wählen, dass es übersteht, doch für das Auge des Meisters ist das Ergebnis halt nichts.

Meine Vorrichtung ist in einfachen Worten nichts anderes als ein "Aufrechthalter" für die Oberfräse und eine Halterung mit Rollen für ein waagrechtes, leichtes Umherschieben der Gitarre während des Fräsens. Horizontal (Auf/Ab) wird die Fräse mittels eines Schuhs geführt, der nahe des Randes auf der Aussenkontur aufliegt und ihr in der Höhe folgt. Die Breite des Fräskanals (also wieviel Holz der Fräser am Umfang wegnimmt = Dicke des Bindings) wird über die Zustelleinheit justiert. Das ist eine Rolle mit dem Durchmesser des Fräsers die mittels einer Rändelschraube kurz unterhalb des Fäsers zugestellt wird. Schließt die Außenkontur der Rolle mit dem des Fräsers ab, hat man keinen Abtrag, steht die Rolle 1mm zurück, beträgt die Fräsbreite 1mm. Ich verwende einen Fräser Ø10mm.

So richtig gut wird der Kanal mit Anlauffräsern, die entsprechende Kugellager montiert haben. Solche habe ich auch im Angebot. Verwendet man diesen, entfällt der verstellbare Gegenhalter für die Frästiefe.

19110002 Satz Multi-Binding Fräser Hartmetall mit 8mm Aufnahme, Schrauben, Inbunsschlüssel und 8 Anlaufringe für Bindings mit 1mm; 1,5mm; 2mm; 2,5mm; 3mm; 3,5mm; 4mm; 5mm Abstand

Die Beschreibung der Vorrichtung  teile ich in folgende Abschnitte:

Aufbau Gitarrenhalterung :

Die Halterung besteht aus einem 28mm starken MDF-Brett , 4 Rollen auf der Unterseite und 4 zweifach verstellbaren Haltern. Die Oberseite der Gitarre sollte möglichst waagrecht verlaufen. Um dies zu gewährleisten, braucht man in der Höhe verstellbare Auflagen denn fast alle Gitarren sind am Halsansatz dünner als am Korpusende. Andererseits muss der Gitarrenkorpus stramm in der Halterung sitzen und man braucht einen gewissen Verschiebebereich um Druck auf die Gitarrenzargen von der Seite her auszuüben. Im linken Bild kann man die Höhenverstellung gut sehen, um die Oberfläche zu schützen habe ich kleine Korkstückchen mit UHU angeklebt. Auf dem rechten Bild erkennt man die Außenkontur und die zur mitte hin zeigenden Langlöcher zum Klemmen der Gitarre. Die Form ist etwas grösser als die der Dreadnought Gitarre und die Langlöcher sind so lang, dass auch eine 3/4 Gitarre festgemacht werden kann. Die Rollen sind kreisförmig angeordnet, so kann man die Sache leicht drehen, ein Verschieben hingegen ist etwas schwierig, wird aber kaum gebraucht. Meine Rollen sind Einbaurollen und es ist etwa 10mm Spalt unter dem Brett.

Auflage Gitarre in der Halterung (45034 Byte) Rückseite der Halterung (42988 Byte)

Aufbau Fräseinrichtung :

Zwischen zwei Säulenführungen (die ich aus einem "gutsortierten" Schrottkontainer gezogen habe) ist eine Ø43mm Aufnahme für meine Standard-Oberfräse befestigt. Ich habe dazu meinen alten Bohrständer geopfert und die Halterung in ein Stück Hartholz gesetzt (geschraubt und mit Epoxi vergossen). Durch die Führungen kann sich die Fräse nach oben und unten bewegen. Eine Feder zwischen den Säulen hält das Gewicht der Fräseinheit gerade so, dass es genügend Gegendruck zur Fräskraft aufbringt und nicht das Holz der Decke beschädigt (500g). An verstellbaren Gegenhaltern justiert man die Tiefe und Breite des Fräskanals wie eingangs beschrieben. Der auf den Bildern rot zu erkennende Schuh kann mittels Langloch auf und ab verstellt werden, nur ein kleiner Teil dient wirklich der Auflage, der Rest wurde freigeschliffen.. Mit zwei Schraubzwingen befestige ich die Vorrichtung auf der Werkbank.

Seitenansicht Fräserjustage (23529 Byte) Gefräster Kanal (24762 Byte) PIC00007.jpg (31666 Byte)
Übersicht 1 (48348 Byte)   Übersicht 2 (58418 Byte)

Tipps

Seit der Verwendung dieser Vorrichtung und des Fräsersatzes habe ich keinen Bedarf mehr an handgeführten Fräsaktionen mit ungewissem Ausgang. Mit ein wenig Aufwand für die Herstellung der Vorrichtung spart man sich haufenweise Muskelschmalz zum Nachbearbeiten und der Adrenalinspiegel bleibt im angenehmen Maß.

  • Achtung beim Fräsen an oberer und unterer Korpusbreite. Hier kann der Fräser entlang den Jahresringen ganze Teile der Decke oder des Bodens absplittern. Immer mit den Jahresringen fräsen ("bergab"). Zum Schutz davor hilft vorher die Stellen mit Hautleim einpinseln und trocknen lassen oder einfach bewusst geringe Spanabnahme und im Gleichlauf fräsen. Den Korpus zum Fräsen entsprechend immer neu ansetzen.
  • Am sichersten fängt man den Bindingkanal am Halsansatz zu fräsen an, da evtl. auftretende Fehleinstellungen durch den Hals noch versteckt werden können
  • Möglichst wenig Nacharbeit am eingeklebten Binding, da es beim Schleifen, Hobeln usw. gerne wieder abgeht!
  • Ohne der unteren Zustelleinheit kann man fräsen, wenn über am Fräser angebrachte Kugellager die Frästiefe voreingestellt ist (19110002)
  • Die Tiefe und Breite immer vorher an Testhölzern ausprobieren und dann erst auf der Gitarre!!!
  • Übliche Bindingdicken sind 0,5mm, 1mm, 1,5mm, 2mm; der Herringbone-Stripe hat 3mm.
  • Am längsten halten Hartmetall bestückte Holzfräser
  • Man kann mit dieser Vorrichtung auch wunderbar nicht mehr benötigtes Binding wegfräsen, wenn man danach die Decke entfernen muss