Drucken

Zargenzwinge

Zargenzwinge

Oder wie verleime ich an Orten in Gitarrenkorpussen, zu denen ich nicht mit der Hand hinkomme

Wer wie ich Handschuhgröße 11 hat, weiß wie schwierig es ist durch ein Schalloch in das Innere der Gitarre zu kommen und dann dort noch Arbeiten zu verrichten. Eine besondere Delikatesse sind Risse in massiven Zargen. Wenn der Riss mit etwas Leim und ein paar seitlichen Zwingen zu reparieren ist, muss man nicht in den Innenraum. Möchte man die Fehlstelle aber auf Dauer verstärken, muss Holz von innen beigelegt werden. Das kann zum Einen etwas Holzfunier sein, das mit starken Magneten über den Spalt geleimt wird oder einzelne Holzstückchen (sogenannte "cleats") quer zur Zargenfaser. Und nun beginnt der Spass. Um zum einen die Holzstückchen definiert anzudrücken und gleichzeitig die Ebenheit der Zarge zu gewährleisten, kann man sogenannte Zargenzwingen verwenden. Der Trick besteht darin, dass durch ein kleines Loch im Rißbereich eine dünne Stahlsaite (z.B. 0,09'er E-Gitarrensaite) gezogen wird. Auf der Korpusinnenseite wird das Holzstück wie auf einer Perlenkette aufgereiht mit der Stahlsaite gegen den Riss gedrückt. Die Kraft kommt hierbei durch das Aufwickeln der Saite auf der Aussenseite der Zarge. Die beispielhafte Reparatur habe ich im Reparaturbereich beschrieben. Hier zeige ich die Herstellung der Zwingen.

Man nehme alle 3-5cm auf dem Riss eine Zwinge. Also mit 3-4 Zwingen ist man gut bedient. Der Korpus besteht aus einem Klotz Hartholz (5x4x4cm) und einer mittig angebrachten Mechanik. Je nach zur Verfügung stehender Mechanik ergibt sich die breite der Nut. Diese muss so ausgelegt sein, dass die Welle etwas Platz zum Nutgrund hat; die Breite ergibt sich aus der Wellenlänge (Wellenende soll ca. 4mm tief im Holz stecken).

Fertige Zargenzwinge

Geschickt ist es, ein Holz mit dem Querschnitt 4x4cm auszuhobeln, die Nut z.B. mit der Oberfräse und Anschlag einzuarbeiten und hernach die Stücke erst abzulängen. Nach dem Bohren der Welle muss noch eine Öffnung für die Stahlsaite gebohrt werden. Je nach Geschmack bietet sich die Position genau unter dem Wellenloch oder kurz daneben an (daneben ergibt einen größeren Spielraum für das Saitenaufziehen und man kann auch die Saite zuerst mehrmals um die Welle legen).

Seitenansich Plexiglas Beilage

Das innere Holzstück wird mittels eines Plastikstück gleichmässig angedrückt. Hier eignet sich z.B. Plexiglas oder Teflon, welches ca 1,5x1,5cm misst und mittig eine 2mm Bohrung hat. Mit einer Feile fast man zwei gegenüberliegende Seiten an. Dies hat den Sinn, dass das Holzstück vor dem Auffädeln z.B. mit einem kleinen Streifen doppelseitigem Klebeband auf die Plastikbeilage parallel zur Holzrichtung aufgesetzt wird. Überprüft man während des Leimvorgangs im Inneren des Gitarrenkorpus die Holzmaserung, braucht man nur nach den Fasen zu tasten und das Holzstück entsprechend orientieren.

Anwendungsprinzip Anwendungsprinzip II

Vor dem Zusammenbauen wird das Holzstück noch mit Schmirgelpapier geschliffen, ich habe das ganze mit Leinöl noch eingelassen. Die Unterseite des Klemmholzes kann mit einem Kerzenstummel aus Paraffin oder einer anderen Wachsart eingerieben werden, das hindert überschüssigen Leim am festkleben.

Zargenzwingen im Einsatz

Hier Sieht man nun drei Zargenzwingen und vier Zuleimschrauben an einem Zargenriss.